Fang an! Jedes Unternehmen braucht eine digitale DNA

Fang an! Jedes Unternehmen braucht eine digitale DNA

Digitalisierung hier, Digitalisierung da… Man hört es überall. Kannst Du es auch nicht mehr hören? 

Doch ab wann ist ein Unternehmen eigentlich digital? Wenn es einen eigenen E-Mail Server mit Gruppenkalender nutzt? Wenn Belege eingescannt und digital verarbeitet werden? Wenn man eine Facebook Seite erstellt hat die der Azubi pflegen soll? Eine WebSite die man sich sogar am Smartphone anschauen kann? Mitnichten.

Das sind alles Dinge die das Unternehmen immer digitaler anstreichen. Mehr aber nicht. Eine Strategie ist es sowieso nicht. Bei einer Digitalisierungsstrategie geht es darum, dass Unternehmen digital denken lernen. Dass Wertschöpfung in der Zukunft nur mit oder sogar durch Digitalisierung zu vermarkten ist.

Entwickler aber keine Busse

Alles zu Abstrakt? Hier einmal ein Beispiel: Im letzten Jahr war ich bei der Crisp Perspective Veranstaltung in Frankfurt. Am 10. November 2016, mein 36. Geburtstag. Auf der Bühne stand Daniel Krauss, CIO von Flixbus. Er berichtete über die ersten Gespräche eines Zusammenschlusses mit Postbus. Das Gespräch muss vor ca. 3 Jahren stattgefunden haben. Eine der ersten Fragen der Postbusvertreter war: „Wir haben 200 Busse zu bieten und Ihr?“ Flixbus entgegnete: „Wir haben mehr als 60 Entwickler und keinen einzigen Bus.“ Daraufhin wurden die Gespräche von Postbus eingestellt. Die Werte waren scheinbar nicht auf Augenhöhe. Nur ein paar Jahre später wurde die Postbusssparte an Flixbus übergeben und der eigene Betrieb eingestellt.

Das ist ein Gedächnisprotokoll von meiner Seite. Ich habe die Geschichte bereits so oft erzählt, dass ich hoffe, dass sich das genau so zugetragen hat 😉

Sei es drum. Worum geht es in der Geschichte? Ganz einfach: Flixbus besitzt eine digitale DNA. Flixbus erschafft Werte durch digitale Wertschöpfung. Hier kommt kein Anlage- und Umlaufvermögen mit. Den Trend kennen wir aus dem Silicon Valley.

Stelle Entwickler/innen ein. Oder beschäftige Dich wenigstens mit diesen und hole sie in Dein Netzwerk!

Daher rate ich in den meisten Fällen, dass eigene Entwicklungsressourcen im Unternehmen aufgebaut werden müssen. Das ist nicht immer einfach. Nicht jeder Entwickler hat auf dem ersten Blick Spaß im Maschinenbauunternehmen oder bei einer Versicherung zu arbeiten. Jedenfalls nicht in den bestehenden Strukturen. Daher die Frage: Woher die entsprechenden Entwickler/innen nehmen, wenn nicht stehlen? Da gibt es verschiedene Ansätze. Die haben weniger mit Stellenanzeigen in der Tageszeitung zu tun.

Zum einen können bestehende Mitarbeiter/innen auf die Reise in die Digitalisierung genommen werden. Es sollten zuerst die aufgeschlossen Mitarbeiter/innen sein, die sich für neue Dinge interessieren. Heutzutage können auch Mitarbeiter ohne Code Kenntnisse mit den richtigen Werkzeugen entwickeln. Durch neue Formen der Zusammenarbeit, durch Aufreißen bestehender Strukturen und Nutzung neuer Kreativarbeitsformen wie Barcamps entstehen tolle neue Impulse und Denkweisen.

Eine weitere Option ist der Aufbau eines digitalen Netzwerkes. Es bilden sich in Deutschland immer mehr Netzwerke die sich um digitale Inhalte und Vernetzung kümmern. Bei uns in NRW sind es die Hubs der Digitalen Wirtschaft NRW. In Baden-Württemberg ist es baden-württemberg : connected. Und in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Anlaufstellen. Hier werden StartUps, Corporates und Hochschulen bzw. Universitäten miteinander vernetzt. Es entstehen sehr interessante und vorher nicht vorstellbare Konstellationen. Ich selber habe nun seit Dezember im Innovationszentrum zur Förderung der digitalen Transformation im Münsterland im muensterLAND.digital hub am Hafen in Münster einen Flex Arbeitsplatz. Hier ist man im Zentrum allen digitalen Tun und Handelns.

Mitarbeiter/innen am Unternehmen binden

Mitarbeiter/in zu sein bedeutet heutzutage nicht mehr zwingend, dass Leute für 40 Stunden in der Woche mit festen Bezügen eingestellt werden. Es können Freelancer sein, StartUps die ihre Ideen in bestehenden Unternehmen umsetzen oder Studenten die sich während ihres Studiums in Deinem Unternehmen einbringen. Wichtig ist, dass der Spirit passt. Von den guten digitalen Natives lässt sich eh keiner mehr durch feste Verträge halten, wenn es ihm nicht mehr gefällt. Dafür gibt es auf dem Markt zu viele Alternativen. Unternehmen sollen eine Vision, oder zumindest eine Mission, ausrufen und diese auch leben. Die Mitarbeiter/innen merken schnell ob es reine Lippenbekenntnisse sind oder die angestrebte Digitalisierung gelebt wird.

Rechenbeispiel mit einem Entwickler (m/w)

Insbesondere in serviceorientierten Unternehmen, wie z.B. Versicherungen, Gesundheitskassen oder auch Stadtwerken werden häufig die gleichen Prozesse zum Versicherten/Mitglied/Kunden manuell durch Mitarbeiter/innen durchgeführt. Hier können eigene Entwicklungsressourcen mit einfachen Maßnahmen die Massenprozesse schnell optimieren und digitalisieren bis über die Unternehmensgrenzen hinweg.

Ein einfaches Rechenbeispiel: 

2 Service Mitarbeiterarbeitsplätze kosten so viel wie - 1 Entwicklerarbeitsplatz - der so ergiebig ist wie 10 Service Mitarbeiter. 

Wie das gehen soll? Denken Sie einmal an die Bankfiliale vor Ort. Wie viele Tätigkeiten am Bankschalter müssen wohl weniger getätigt werden im Bereich Überweisungen, seitdem die Leute Online Banking nutzen können? Ich bin mir sicher, dass die Quote: Entwickler vs. Service Mitarbeiter 1:100 übersteigt.

Formel f  r Eigene Entwickler

Man sollte diese Rechnungen nicht ausschließlich mit Rationalisierung in Verbindung bringen. Mit der Digitalisierung können sich serviceorientierte Mitarbeiter/innen auf die wirklichen Bedürfnisse konzentrieren und die Service Qualität und die Individualität erhöhen. Das wäre übrigens im Krankenhaus und bei Ärzten auch einmal eine gute Idee, wenn sich diese wieder mehr mit dem Patienten auseinandersetzen können und sich nicht mit den Prozessen und der Dokumentation herum schlagen müssten.

Digitalisierung ist das neue Beton Fundament

Das Fundament eines Unternehmens muss auf Digitalisierung umgebaut werden. Das ist das neue Beton.

Die digitalen Möglichkeiten im Unternehmen müssen auf soliden Füßen stehen. Auf dem digitalen Fundament muss langfristig viel aufgebaut werden. Wir fangen gerade mit dem ersten Stock an. Es wird sicher ein Wolkenkratzer. 

Um es einmal zu vergleichen mit der Industrialisierung: Man baut eine Produktionsstrecke auf und geht von Einzelfertigung in Serienfertigung. Das ist ein großer Schritt.

Alles was in der Zukunft digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. 

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